Jens Voigt: Deutschland Tour für Kletterer
Jens Voigt ist in dieser Saison der erfolgreichste deutsche Radprofi. Zehn Siege gehen auf sein Konto. Zuletzt brillierte der Berliner, der im Juli einen Tag das Gelbe Trikot in der Tour de France trug, beim Paarzeitfahren in Bühl an der Seite seines amerikanischen Teamkollegen Bobby Julich. Gemeinsam konnten sie den Triumph von 2004 wiederholen. Jens Voigt wird am 15. August in Altenburg bei der deutschland tour an den Start gehen, die er letztes Jahr als Gesamtzweiter beendete.
dt: In der Tour de France litten Sie unter einer fieberhaften Bronchitis, die Sie so schwächte, dass Sie in den Alpen das Zeitlimit überschritten und aufgeben mussten. Inzwischen scheint es Ihnen aber wieder gut zu gehen, was der Sieg beim Paarzeitfahren in Bühl eindeutig dokumentiert.“
Voigt: „Ehrlich gesagt war ich überrascht, dass es so gut lief. Nach meinem Ausscheiden in der Tour war ich völlig kaputt und die ersten Tage überhaupt nicht belastbar. Ich fühlte mich elend und kraftlos. An Rad fahren war überhaupt nicht zu denken, ich nahm meine Umwelt noch nicht einmal richtig wahr, so fertig war ich. Aber mein Körper hat sich schnell wieder erholt und die Form ist geblieben. Ich habe dann wenige Tage vor Bühl bei einem Kriterium in Krefeld gewonnen. Das gab Selbstvertrauen.“
dt: Die deutschland tour ist ihr nächstes großes Saison-Highlight. Letztes Jahr waren Sie schon Zweiter, wollen Sie diesmal den Sieg?
Voigt: „Klar, gewinnen will man immer. Aber es gibt zu viele Kandidaten. Und die Strecke ist diesmal verdammt schwer. Wer aufs Podium will, muss ein guter Kletterer sein. Eine Bergankunft kann ich schaffen, bei zweien wird es schon schwieriger. Wenn ich auf der Königsetappe einen super guten Tag erwische, dann könnte ich mich vorn platzieren. Ansonsten konzentriere ich mich auf einzelne Etappen.“
dt: Wird die deutschland tour wie schon letztes Jahr in den Bergen entschieden?
Voigt: „Ganz sicher, denn es sind zu viele schwere Anstiege. Ein Allrounder hat da wenig Chancen. Der Rettenbachferner auf der vierten Etappe ist echt der Hammer und mit seinen 2684 Metern höher als der Galibier. Wenn man auf dieser Etappe vorn mit dabei ist, sind die Siegchancen groß. Dann kommen aber noch der Arlbergpass und die Bergankunft am Feldberg im Schwarzwald. Diesmal genügt es nicht, auf einer Etappe zu dominieren, man muss eine Woche lang topfit sein.“
dt: Wer zählt denn für Sie zu den Favoriten?
Voigt: „Jan Ullrich ist heiß darauf, nach seinem dritten Platz in der Tour jetzt ganz oben auf dem Podest zu stehen und ist für mich der Spitzenkandidat. Gerolsteiner wird mit Totschnig und Leipheimer um den Sieg mitfahren. Wenn Jörg Jaksche fährt, wird auch er ganz vorn sein, denn schon in der Tour de France lief es bei ihm sehr gut. Für Michael Rogers, der vor zwei Jahren schon einmal gewann, sind die Berge vielleicht ein wenig zu steil. Der Russe Denis Mentschow von Illes Baleares wird sich gut in Szene setzen und dann sollte man Rabobank nicht vergessen, die mit Peter Weening in der Tour schon einen Überraschungscoup landen konnten.“
dt: Wie ist Ihr eigenes Team besetzt? Geht Ivan Basso an den Start?
Voigt: „Nein, Ivan Basso macht eine kleine Pause, bevor er sein Herbstprogramm startet. Aber wir haben ein gutes Team dabei. Bobby Julich, mit dem ich das Paarzeitfahren in Bühl gewinnen konnte, ist nominiert, genauso wie der Luxemburger Schleck, der dieses Jahr schon einige gute Resultate erzielt hat. Neben mir geht als zweiter Deutscher Christian Müller an den Start.“
dt: Um die Zugehörigkeit zur ProTour zu sichern, musste die deutschland tour in den August verlagert werden, damit sie nicht zu dicht auf den Giro folgt. Ist nach der Tour de France nicht bei vielen die Luft raus?
Voigt: „Im Gegenteil, viele Fahrer, die bei der Tour nicht den ganz großen Erfolg landen konnten, werden sich in der deutschland tour zu profilieren versuchen. Das wird ein ganz spannendes Rennen.“
dt: Bei dem sich vor allem auch die deutschen Fahrer in Szene setzen wollen?
Voigt: „Natürlich. Im eigenen Land will doch jeder gut aussehen. Und die deutschland tour gehört inzwischen zu den absoluten Top-Veranstaltungen, nicht nur weil sie ProTour-Status hat, sondern weil sie sich auch durch eine sehr gute Organisation auszeichnet.“ (Quelle: Deutschland-Tour)

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