Phonak: Das Maillot Jaune muss unser Ziel sein
Das Phonak-Radteam soll in den kommenden Jahren nicht nur sportlich von sich Reden machen, sondern auch einem neuen Sponsor als Sprungbrett dienen.
Andy Rihs, was hat Ihnen an der diesjährigen Tour de France besonders imponiert?
Zum einen Lance Armstrong. Er fährt erneut souverän und locker, als hätte er keine Gegner. Er ist der unumstrittene König. Kein Konkurrent kann an ihm rütteln. Ich konnte bei ihm keine Schwäche ausmachen. Das habe ich in dieser Form nicht erwartet. Beeindruckt bin ich auch vom hohen Tempo. Wenn man selber Rad fährt kann man einschätzen, was es bedeutet, mit solch hohen Durchschnittsgeschwindigkeiten zu fahren. Der Radsport ist wahrscheinlich der härteste Sport. Jeder Fahrer, der heute auf der Champs-Elysées einfährt, hat während den letzten drei Wochen einen riesigen Willen gezeigt.
Imponiert hat mir aber auch die Art und Weise, wie sich unser Phonak-Team in den Bergen präsentierte. Die Mannschaft war eine der aktivsten im Feld. Das macht mir eine riesige Freude. Doch das Schönste war bisher der Erfolg von Oscar Pereiro. Er hat den Etappensieg in einer einzigartigen Manier herausgefahren. Dieser Sieg an der Tour de France ist höher einzuschätzen als ein Weltmeistertitel.
Bedeutet der Sieg von Oscar Pereiro ein Quantensprung für Phonak?
Ja, eindeutig. Es gibt viele Teams, die an der Tour de France noch nie siegen konnten. Dieser Sieg wird Phonak den Weg weisen. Das Team soll in Zukunft noch konsequenter und intensiver geführt werden wie bisher. Irgendwann wollen wir das berühmte „Maillot Jaune“ holen. Dies muss unser Ziel sein.
20 der bisher 25 Fahrer haben bereits einen Vertrag für die kommende Saison unterzeichnet. Wird das Phonak-Team darüber hinaus verstärkt?
Verstärkungen wird es bestimmt geben. Vermutlich vermehrt mit jüngeren Fahrern. Darüber kann ich im Moment aber noch nicht zuviel verraten.
Allenfalls mit Winokurow als Traumbesetzung?
Winokurow ist sicher einer der besten Fahrer. Doch dies heisst nicht, dass Phonak mit ihm die Traumbesetzung hätte. Wir haben ein Team mit viel Potenzial. Unsere Fahrer können sich noch weiter verbessern. Man darf nicht vergessen, dass wir während der diesjährigen Saison erstmals in dieser Besetzung fuhren. Unser Ziel ist die Kontinuität. Dabei wollen wir noch mehr zusammen wachsen.
Mit Winokurow?
Nein, er ist bei uns kein Thema.
Wie sehen Sie die Zukunft des Teams?
Das Team wird weiter bestehen, wie auch immer der Sponsor heisst. Es hat den Anspruch eines Top-Fünf-Teams.
Ist Phonak nach dem Sieg von Pereiro auf der Brautschau attraktiver geworden?
Ganz klar. Das Team ist noch mehr in aller Munde.
Darf man daraus schliessen, dass eine Vertrags-Unterzeichnung mit einem potenziellen Sponsor vor dem Abschluss steht?
Dies wird sich Ende September endgültig abzeichnen. Es wird eine Rochade geben wie seinerzeit von US Postal zu Discovery.
Welche Anforderungen werden an eine erfolgreiche Equipe gestellt?
Das Team muss in der Lage sein, sowohl Klassiker als auch grosse Rundfahrten zu gewinnen. Die Mannschaft soll auch für Radrennfahrer attraktiv sein. Deshalb muss es in Budget-, Management- und organisatorischen Belangen weiterhin für Furore sorgen.
Auf wie viele Jahre ist Ihre Vision ausgelegt?
Der Horizont liegt bei vier bis fünf Jahren. Den Grasshoppers Club Zürich gibt es seit 1886. Er hat mit seinen Gründern nicht mehr viel zu tun. So wird es auch bei uns sein. Das Phonak-Team wird einem anderen Sponsor als Sprungbrett dienen und somit im Endeffekt seinen Zweck erfüllen.
So wie sich das Engagement auch für Phonak ausbezahlt hat?
Dies hat es sich zu 100 Prozent. Vor sechs Jahren hat Phonak Hearing Systems noch niemand gekannt. Mit dem Bekanntheitsgrad, welchen der Hörgerätehersteller durch das Radsportteam erlangt hat, ist es der Kundschaft leichter gefallen, Phonak-Produkte zu kaufen. Somit haben sich die Erwartungen ins Phonak-Radteam sowohl sportlich wie auch wirtschaftlich erfüllt.
Haben Sie zum Schluss noch etwas auf dem Herzen, das Sie schon immer sagen wollten?
Ja. Es ist „de Plausch“ mit allen Mitgliedern der Phonak-Familie zusammen zu arbeiten.

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